Rungholt

In der Gegend um Südfall kommen immer wieder Siedlungsreste zu Tage.

Holzreste im Watt. In der Gegend um Südfall kommen immer wieder Siedlungsreste zu Tage.

Rungholt ist der Mythos der Nordsee und wird auch Atlantis des Nordens genannt. Es ranken sich viele Geschichten und Legenden um diesen Ort, der in der ersten großen Mändränke am 16. Januar 1362 untergegangen ist.

Laut der Legende sollen übermütige Bauern bei einem abendlichen Trinkgelage einen Pfarrer genötigt haben, einem Schwein, das sie zuvor betrunken gemacht hatten, die Sterbesakramente zu gewähren. Nach Drohungen und Verhöhnungen konnte der Geistliche sich in die Kirche flüchten. In der folgenden Nacht warnte ihn ein Traum vor der kommenden Katastrophe. Er konnte die Insel noch rechtzeitig verlassen. Der Untergang Rungholts war die göttliche Strafe für lasterhaftes Leben und das respektlose Verhalten gegenüber der Kirche.

Eine weitere Legende besagt, dass bei ruhigem Wetter die Glocken von Rungholt unter der Wasseroberfläche zu hören seien und dass die Stadt unversehrt alle sieben Jahre in der Johannisnacht aus der Erde auftauche.

Während das wirkliche Rungholt ein bäuerlicher Handelshafen an einem gut schiffbaren Fluss war und vornehmlich aus Grasssoden-Häusern bestand, wurde der Reichtum Rungholts nach seinem Untergang in immer prunkvollere Beschreibungen gefasst. Es entstanden phantastische Vorstellungen über den Reichtum und die Größe der Stadt.

Heute kann man in der Nähe der Hallig Südfall noch Reste dieser Siedlung finden. Aus den Funden lässt sich rekonstruieren, dass in Rungholt insgesamt etwa 1000 Menschen gelebt haben müssen. Ihre Häuser standen auf rund 25 Warften und auf dem etwa 2 Meter hohen Deich. Die Lebensgrundlage der Bewohner von Rungholt bildeten Handel, Viehhaltung und Salzgewinnung aus Seetorf. Letzteres führte durch das Absenken des Bodens vermutlich auch zum Untergang der Insel.